Spannende Führungsposition? – Nee, ist mir zu anstrengend!

Ein Beitrag von Christiane Vieten – www.vietenplus.de

Karriere leider - der Blogbeitrag von vietenplus

Die Übernahme von Personalverantwortung – noch vor 10 Jahren für viele aufstrebende Junioren der ultimativ spannende Schritt auf der Karriereleiter – ist für viele junge Menschen heute schlicht nicht mehr attraktiv.

 

„Ich muss gar kein Vorturner sein“, oder „das möchte ich meiner Familie nicht zumuten“ sind Antworten, die uns mitunter rat- und fassungslos machen. Früher haben wir Headhunter die Zähne zusammengebissen, wenn wir eine Stelle in Osterode (Harz) oder Falkenhagen (Grenzgebiet zu Polen) besetzen wollten.

Unzumutbarkeiten für die Generationen Maybe und Y

Heute aber gilt für viele junge Menschen schon das südliche Hamburger Umland als unzumutbar. „Da müsste ich ja durch den Elbtunnel fahren“ oder „ich möchte meinen Arbeitsplatz mit öffentlichen Verkehrsmitteln in max. 20 Minuten erreichen können“, sind jetzt Standardantworten. Diese „Unzumutbarkeiten“ könnte man in einer langen Reihe fortsetzen.

 

Wir hören ungläubig zu, machen unserem Unmut Luft und suchen dann mit unseren Kunden nach Lösungen. Diese führen zu interessanten neuen Arbeitsmodellen, aber auch zu schwindelnd steigenden Gehaltsspiralen.

 

Im Prinzip hatte ich gar nicht vor, mich hier in die leidige Diskussion um die „Generation Maybe“ (in den 80er Jahren Geborene) und „Generation Y“ (in den 90er Jahren zur Welt Gekommene) einzureihen. Aber was mich schon interessiert, das sind die Ursachen dieser für mich als 1960 Geborene so provokanten Haltung. Warum verweigern sich die nachfolgenden Generationen scheinbar, wenn Arbeit Stress auslöst, wenn mit der Führungsverantwortung auch Risiken einhergehen? Wenn in einem Startup auch ein Scheitern des Unternehmensmodells nicht auszuschließen ist? Wenn ein spannender Job eine längere Anfahrt oder einen Umzug voraussetzt? Wenn eine Managementfunktion nicht in 38,5 Stunden zu erledigen ist?

Unsere Verantwortung?

Leider habe ich keine Kinder. Aber meine Freunde und Geschwister habe welche. Und hier kann ich live erleben, welche Bilder, Einstellungen und welche Haltung von unserer Generation an die Nächstfolgende weitergeben werden: Pass' gut auf Dich auf (der passende Helm und Rückenschutz für jede Sportart…); Du musst den anderen gar nichts beweisen; Du brauchst nicht immer der Erste zu sein; Es gibt mehr im Leben, als nur Arbeit – oder gegenüber der Tochter: Willst Du wirklich in diese Management-Mühle? Dann wirst Du kaum noch Zeit für deine Familie haben…

 

Sind wir es, die unsere Kinder vor allen Risiken und Konflikten schützen wollen? Die ihnen kein Übermaß an Wettbewerb und keine „stressigen Arbeitsverhältnisse“ zumuten wollen?

 

Aus meiner Sicht liegt hier der Hund begraben: aus der eigenen Erfahrung, vielleicht auch aus der eigenen Überforderung heraus, versuchen Eltern ihre Kinder zu schützen. Das ist auch nicht verwerflich, die Frage ist nur, ob wir dabei „des Guten zu viel“ tun. Seit einigen Jahren bin ich Vollversammlungsmitglied der IHK zu Lübeck. Hier, wie auch anderswo, beklagen Unternehmer den Umstand, dass Sie keine Nachfolger finden. Eine groß angelegte Initiative wirbt mit schönen und wirkungsvollen Bildern dafür, dass junge Menschen zu Gründern und Unternehmern werden sollten.

Hilft das wirklich? Ich glaube nicht.

Wir liefern die Vorbilder!

Mein Plädoyer: wir sollten selbst mehr über unsere Erfolge sprechen und vermitteln, dass Arbeit sinnstiftend und spannend sein kann. Dass Verantwortung und Einfluss-Nehmen die Chance zur Gestaltung und zum „Wirksam-werden“ bringt. Und darüber, dass Risiken zum Leben gehören und Wettbewerb eine aufregende Sache sein kann.

 

Wenn wir selbst die hellen Seiten unserer Karriere beleuchten und von den interessanten Aspekten unserer Arbeit berichten, werden viele von uns vielleicht selbst wieder mehr Schwung empfinden. Unsere Kinder wird das möglicherweise nicht mehr tangieren, aber vielleicht erreicht es die Enkel.

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